Dehnen


Ein auf 15mm gedehntes Ohrloch mit Delrintunnel von SwissTeflon

Ein auf 6mm gedehntes Ohrloch mit Acrylplug von SwissTeflon
Das Dehnen bezeichnet die Erweiterung eines abgeheilten Stichkanals eines Piercings um dickeren Schmuck einsetzen zu können. Dies geschieht aus Gründen der Optik und des Tragekonforts (bei Intimpiercings). Je nach Gewebe und Stelle ist dies ein permanenter Eingriff, oder das Loch geht wieder zu. Grundsätzlich kann man jedes Piercing dehnen, das häufigste ist aber das Lobe (Ohrloch). Deshalb soll hier auf die häufigsten Fragen bezüglich des Ohrloch-dehnens eingegangen werden.

Ohrloch dehnen

Als erstes ein wichtiger Hinweis: Das Dehnen sollte man immer als bleibende Veränderung betrachten! Es gibt zwar die "Regel" dass ein Piercing bis 6mm noch zu geht, aber es gibt auch Leute bei denen ein 3mm Loch für immer so bleibt.
Nach dem Stechen sollte man das Piercing abheilen lassen bevor man es dehnt. Normalerweise rechnet man etwa 3 Monate, bis man beginnen kann ein Ohrloch zu dehnen. Aber: je länger desto besser, denn so kann sich eine widerstandsfähige Hautschicht bilden. Diese lässt sich einfacher und mit weniger Komplikationen dehnen. Hier eine Tabelle der empfohlenen minimalen Wartezeiten zwischen Dehnschritten:


(Umrechnung grössere Durchmesser: Grösse in mm = Grösse in inch x 25.4)

Ohrloch dehnen

Und so weiter, wenn man 8mm erreicht hat erlernt man meist von selber ein gewissen Gefühl für den Körper. Niemals sollte man einen Schritt überspringen! Dies und das nicht-Einhalten einer Wartezeit können zu den folgenden Dingen führen:


Was tun wenn man trotzdem mal zu schnell gedehnt hat?

Ein überdehntes Ohrloch sollte wie ein frisches Piercing behandelt werden, für die selbe Zeit wie nach dem Piercen. Ausserdem hilft es sehr viel, wieder kleineren Schmuck reinzumachen...auch wenn man das vielleicht nicht will!

Materialkunde

Wichtig ist ausserdem das verwendete Material. Beim Dehnen entstehen IMMER (nicht nur wenn man zu schnell dehnt) Mikrorisse in der Haut. Durch diese können Gifte besonders gut in den Körper eindringen. Folgende Materialien sind NICHT zu empfehlen für den Einsatz nach dem Dehnen: Holz, Horn, Acryl, Fimo. Folgende sind ideal: Teflon, (guter) Stahl, Titan, andere biokompatible Kunststoffe wie Dentalacryl und Delrin. Nach der Wartezeit können alle Materialien eingesetzt werden, bei Holz sollte man auf die Sorte achten.

Das Dehnen an sich

Es gibt verschiedene Methoden. Nicht geeignet sind:

Am meisten ist die Dehnstab-Methode verbreitet:

  1. Das Piercing in warmem Wasser eintauchen oder warm duschen um das Gewebe zu entspannen
  2. Den Dehnstab(englisch: Taper) mit einem Gleitmittel wie Vaseline einreiben
  3. Das kleinere Ende in das Piercing einführen, langsam Druck ausüben. Es sollte ohne grosse Schmerzen durchzustossen sein (ein kleines Brennen ist normal). Noch nicht ganz durchdrücken!
  4. Den Schmuck an das dickere Ende des Dehnstabs halten und mit dem Schmuck den Rest des Dehnstabs durchdrücken. So wird der Schmuck "automatisch" eingeführt.
  5. Reste von Gleitmittel entfernen
  6. Das frisch gedehnte Piercing wie ein frisch gestochenes behandeln! Salzwasser, Octanisept oder die bevorzugte Methode anwenden für einige Tage (bis es sich verheilt anfühlt plus 5 Tage)
  7. Nicht mit den Händen anfassen! Die Hände sind die Nr.1 Quelle für Infektionen

Häufige Fehler beim Dehnen mit Dehnstab

Eine zweite Variante für das Dehnen ab ca. 3mm ist die Teflonklebeband-Methode

  1. Teflonklebeband kaufen. Dies findet man in der Sanitärabteilung im Baumarkt.
  2. Die alten Plugs rausnehmen, und ein paar Wicklungen Klebeband drum wickeln. Am besten mit einer Schieblehre messen, es sollten ca. 0.2mm mehr sein als vorher
  3. Die bewickelten Plugs mit einem Gleitmittel einreiben und einführen
  4. 2 Tage später dasselbe nochmal, bis man einen (!!) Schritt weiter ist. Auch hier sollte man keine Schritte überspringen

Häufige Fehler beim Dehnen mit der Klebebandmethode

Weitere Methoden um ein grosses Loch zu erhalten

Tägliche Pflege

Es gibt verschiedene Ideen, wie man das Ausdünnen verhindern,das Gewebe dicker machen und allgemein das Ohr gesund halten kann. Sehr viel hilft es, wenn man den Schmuck über Nacht rauslässt. Um herauszufinden ob man das schon kann, sollte man zuerst mal eine Stunden den Plug raus machen und sich dann an die 6 oder 8 Stunden rantasten. Die Haut des Stichkanals wird gesünder, je mehr sie atmen kann. Dies erreicht man mit organischem (also Holz, Horn etc.) Schmuck. Stahltunnel-Lobes sehen rosa aus, Lobes in denen meist Holz ist hingegen wie normale Haut. Die Lobes pflegen kann man ausserdem indem man es mit Öl massiert. Jojoba-Öl, VitaminE-Öl und Olivenöl helfen gewaltig gegen Narbengewebe und Ausdünnung. Dazu sollte man täglich etwa 5 Minute die Ohrläppchen mit dem Öl massieren. Diese Öle bekommt man in der Drogerie oder Apotheke.

Tunnel-Gestank

Je grösser das Loch wird, desto mehr fängt der Schmuck an zu stinken. Das liegt an Ablagerungen von Talg. Um dies zu vermeiden sollte man die Plugs täglich mit antibakterieller Seife waschen oder noch besser: Holzschmuck tragen. So entsteht gar kein Gestank. Vermindern kann man den Gestank auch mit Horn oder Silikonschmuck.

Video: Ohrloch dehnen




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